PARSIFAL und die Antroposophie
Zu den Fall-Beispielen in der Sektion Szenografie zählt eine PARSIFAL-Inszenierung am Goetheanum in Dornach bei Basel. Rudolf Steiners Vision diese Oper hier aufzuführen wurde knapp 100 Jahre nach seinem Tod umgesetzt.
Das letzt Werk Richard Wagners: Parsifal, wurde von ihm nicht als Oper, sondern als „Bühnenweihfestspiel“ bezeichnet und 1882 in Bayreuth uraufgeführt. Nur ein Jahr später starb Wagner. Seine Witwe Cosima verfügte ein Aufführungsverbot ausserhalb des Bayreuther Festpielhauses für 30 Jahre. Auf Wunsch König Ludwigs II, der das Werk maßgeblich befördert hatte, machte sie nur für ihn eine Ausnahme für Sonderaufführungen in München in 1884/85. Das Bühnenbild der Uraufführungs-Inszenierung ist die am längsten in Bayreuth gespielte Produktion und wurde erst nach 48 Jahre erneuert. Die berühmtem Theatermaler Gebrüder Brückner aus Coburg haben sie nach Vorentwürfen von Paul von Joukowsky ausgeführt. Schon durch das Aufführungsverbot andernorts war dieses Design lange stilprägend auch für Folge-Aufführungen.
Seit jeher war die anthroposophische Bewegung und allen voran ihr Begründer Rudolf Steiner fasziniert von diesem Werk. Und so kam schon zu Steiners Lebzeiten der Wunsch auf den Parsifal im Goetheanum in Dornach aufzuführen.
Steiner starb 1925 und gut 2 Jahre zuvor war der ursprüngliche Bau in Folge von Brandstifung niedergebrannt. Das nach seinen Entwürfen neu erbaute Goethanum konnte jedoch erst 1928 eröffnen.
Obwohl der Bau 1000 Sitzplätze bietet und über ein traditionelles Bühnenhaus mit der damals gängigen Technik verfügt, fehlte ein Orchestergraben. Alle musikalischen Aufführungen – vornehmlich Eurythmie – benötigen nur wenige Musiker, die auf der Bühne selbst platz gefunden haben. Es ist dem Mäzen Alexander von Glenck zu verdanken, dass auf seine Kosten ein Orchestergraben eingebaut wurde und sich dann ein Inszenierungsteam fand eine Produktion zu erarbeiten. Seit 2023 gibt es nun jährlich jeweils 3 Aufführungen kurz vor Ostern, der inhaltsbedingten traditionellen Zeit für dieses Werk (der 3.Aufzug spielt an Karfreitag).

Goetheanum, Dornach – Blick zur Bühne – Foto: Stefan Gräbener
Der noch relativ junge Bühnen- und Kostümbildner Walter Schütze (der ursprünglich von der Architektur kommt) und die Regisseurin Jasmin Solfaghari hatten nun neben den üblichen Fragestellungen mit den Aspekten der Antroposophie und vor allem der Eurythmie umzugehen. Sie wurde zu einem integralen Bestandteil dieser Inszenierung und erweitert das Spektrum des mehr oder weniger üblichen Designprozesses erheblich. Der Regisseur der Dornacher Eurythmie Stefan Hasler kam so als drittes Mitglied des Kreativteams ins Spiel und musste dabei die Regisseurin und den Bühnen- und Kostümbildner auch mit dieser speziellen Thematik vertraut machen.
Ein mehrtägiges Symposium begleitete das Projekt im Premierenjahr 2023 mit zahlreichen Vorträgen aller Beteiligten aus sämtlichen Bereichen, die anschliessend in einer Publikation gesammelt wurden.
Als Fallbeispiel ist diese Produktion überdies sehr gut geeignet, da das gesamte Material, sowohl des Bühnen-/Kostümbildners, als auch der technischen Planung und Realisierung, bis hin zu vorgenannten Begleitvorträgen und dem generellen Entwicklungsprozess in Zusammenarbeit mit Regie und Eurythmie zugänglich ist. Alle beteiligten Personen stehen für Gespräche und ggf. Interviews zur Verfügung und da die Inszenierung auch in diesem Jahr gespielt wurde, war ein persönlicher Besuch einer Aufführung möglich.
Dr. Stefan Gräbener, april 20th, 2026
Richard Wagner: PARSIFAL
Goetheanum, Dornach, Schweiz, 20.März 2026Regie: Jasmin Solfaghari
Bühne, Kostüm, Video: Walter Schütze
Goetheanum-Eurythmie-Ensemble
Else-Klink-Ensemble, Eurythemum Stuttgart
Regie Eurythmie: Stefan Hasler
Philharmonie Baden-Baden
Vokalwerk der Opernfestspiele Heidenheim
Dirigent: Roland Fister

Vorstellung am 20.März 2026, SchlussApplaus
vlnr: Jasmin Solfaghari, Walter Schütze, Stefan Hasler – Foto: Stefan Gräbener
Links
Paul von Joukowsky – Wikipedia de
Max Brückner (Maler) – Wikipedia de
Walter Schütze